Die Welt nicht ausblenden

An unserem ersten Tag geht es darum, mehr präsent zu sein. Wir sind oft in Umgebungen und Situationen, wo es uns eigentlich zu eng ist – z.B im Zug oder Tram am Morgen beim Pendeln. Und dann starrt man in eine Zeitung oder aufs Handy und hat womöglich Kopfhörer an, um die Musik zu hören die man mag und so gut wie möglich alles um einen herum auszublenden.

Heute nicht.

Heute ist mein Vorschlag, dass Du nicht aufs Handy schaust, nicht in eine Zeitung und keine Musik hörst. Sondern dass Du da bist, wo Du eben bist. Vielleicht ist es normal für Dich, das so zu tun, vielleicht ist es eine „neue“ Erfahrung, vielleicht ist es unangenehm, die Welt so nah an sich heran zu lassen. Aber versuch es – nur für einen Tag. Schau aus dem Zugfenster, schau Dir Deine Mitreisenden an, hör den Teenies zu die sich lautstark unterhalten…. wir gehen heute noch nicht „speziell“ Sinne üben, sondern Schritt 1 ist, sie bewusst zuzulassen.

Sehen

Heute konzentrieren wir uns auf den Sehsinn. Du wählst Zeit und Ort. Vorzugsweise etwas, das Du auch ästhetisch ansprechend findest. Vielleicht ein Spaziergang in der Mittagspause oder ein Stück Deines Arbeitsweges, das Du zu Fuss zurücklegst.

Achte bewusst auf Farben: Suche Dinge, die Rot sind, Dinge, die Blau sind, die Gelb sind…

Schau bewusst nach Formen: Kreise, Dreiecke oder Linien…

Schau Dir bewusst Licht und Schatten an, Hell – Dunkel Kontraste.

Schau, ob Du Tiere sehen kannst. Egal, ob es jemand ist, der mit dem Hund spazieren geht, oder eine Kohlmeise in einem Baum.

Wie viele Leute tragen farbige Kleidung?

…. Du darfst Dir so viel einfallen lassen, wie Du magst. Etwas, das ich total liebe, sind zerkratzte Metalldinger, z. B Landmaschinen oder Baumulden. Da sehe ich soooo viele Sachen! (siehe Foto)

Lass Dich überraschen, wie viel Du sehen kannst, wenn Du bewusst hinschaust!

Hören

Die schönste Zeit, um hinzuhören, ist natürlich am Morgen in der Dämmerung, wenn die Vögel anfangen zu zwitschern. Falls Du kein Frühaufsteher bist, kannst Du Dir irgend eine Zeit wählen. Setz Dich einfach 5 Minuten oder auch länger hin und höre aufmerksam, was alles um Dich herum vor geht. Vielleicht hilft es, die Augen zu schliessen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele nicht-natürliche Dinge ich hören kann. Autos, Lastwagen usw… obwohl ich vielleicht gerade im Wald oder in meinem Garten bin.

Hier kannst Du Dir etwas Vogelgezwitscher anhören 🙂 ich habe es in meinem Garten aufgenommen.

Tasten / Fühlen

Mittlerweile kannst Du es Dir wohl ausrechnen…. heute geht’s um den Tastsinn. Alles ist erlaubt: Tiere streicheln, Baumrinde fühlen, Kleiderstoffe… die verschiedenen Texturen von Papier vs. eine Postkarte, Glas, eine Wand…. Du kannst auch ausprobieren, wie sehr etwas nachgibt gegen Deinen Druck, wenn Du Dich z. B daran anlehnst. Klar gibt eine Wand nicht nach. Aber wie ist es mit einem Ast, wie viel Widerstand bietet er? Oder mit einem Kissen? Wenn Du verschieden stark drückst? Deine Matratze?

Es sind Experimente… es geht einfach ums Erfahren und Erleben.

Riechen

Neben den ganzen parfümierten Leuten im Zug und Büro wirst Du vermutlich auch an Orten vorbei kommen, wo es anders riecht: Eine Bäckerei, ein Kaffee, am Bahnsteig (ich finde, es riecht nach den Gleisen, nach Metall), am See oder Fluss nach Wasser… etc etc. Mittlerweile weisst Du ja, wie es geht. Achte einfach mal darauf, was Du alles riechen kannst. Vielleicht gefallen Dir Gerüche nicht, es „stinkt“ – aber versuch, die Dinge nicht einzuordnen oder zu verurteilen, sondern einfach nur wahrzunehmen. Wie ein Hund, ich glaube nicht dass Hunde etwas angenehm oder unangenehm riechend finden, sondern einfach nur spannend. Die haben ja eine ganze Geruchs-Landkarte im Kopf.

Du kannst Dir auch ein Geruchsspielchen machen mit Gewürzen oder so…. wenn Du einen Partner hast. Siehe „schmecken“ – einer hat die Augen verbunden, der andere hält einem was unter die Nase.

Schmecken

Das geht am besten zu zweit. Wählt ein paar Sachen aus, die Ihr gerne mögt oder jedenfalls nicht gerade super „gruusig“ findet. Es macht keinen Spass, wenn einem jemand Leber in den Mund steckt, wenn man wie ich Leber hasst.

Also. Einer hat verbundene Augen, der andere sagt „Mund auf“ und steckt was zu Essen rein. Simpel. Wenn Ihr vorher geschaut habt, was es gibt, sind es keine so riesigen Überraschungen. Ein Stückchen Käse, eine Olive… etwas Schokolade oder eine gesalzene Erdnuss? Fruchtstückchen sind auch gut.

Lasst Euch etwas einfallen… und lasst Euch überraschen, wie es sich anfühlt, etwas zu essen, von dem man nicht weiss was es ist. Versucht auch, nicht erst dran zu riechen, sondern es direkt in den Mund zu nehmen und zu schmecken!

der 6. Sinn??

Den kann man nicht so einfach üben. Jedenfalls nicht so einfach wie die anderen fünf. Darum schlage ich Dir für diesen Tag vor, 5 Minuten zu meditieren.

Nur 5 Minuten. Stell einen Alarm am Handy. Du kannst sitzen, wie Du magst, oder auch liegen. Vollkommen egal. Das „nicht denken“ klappt eh nicht. Das klappt bei niemandem. Was wichtig ist ist, dass Du an den Gedanken nicht hängen bleibst. Lass sie kommen und gehen. Du kannst Dich auf Deinen Atem zu konzentrieren versuchen wenn Du magst, aber musst nicht. Sitz einfach still da mit geschlossenen Augen und lass die Gedanken ziehen. Atme. Und lass die Gedanken ziehen. Und atme noch ein wenig.

Wenn Dir diese Übung gefällt, mach sie täglich oder halt so oft es für Dich stimmt. Nur 5 Minuten, sitzen und „ein wenig sein“.